Der Countdown für die neuen Saison läuft, am 18.10. startet die erste Mannschaft mit dem Auftaktspiel auswärts gegen den EHC Aktivpark Montafon. Einen Tag später am 19.10. folgt direkt das Debüt der zweiten Mannschaft in der Vorarlbergliga, mit dem ersten Heimspiel gegen den letztjährigen Meister EHC Hard Haie.

Martin Kutzer "Fit + Gesund" Fitness Studio Gründer

Martin Kutzer Gründer und Geschäftsführer “Fit + Gesund” in Hohenems

Die Vorbereitungen des Sommers werden zum ersten Mal auf den Prüfstand gestellt. Doch wie sieht so eine Vorbereitung überhaupt aus? Gewichte stemmen und Taktikbesprechungen? Seit einigen Jahren bereiten sich die Cracks des SC Hohenems mit der Hilfe von Kutzer Martin, Gründer und Geschäftsführer des “Fit + Gesund” Fitnessstudios in Hohenems, auf die jeweils neue Saison vor. Da auch bekannte Namen aus der EBEL Erste Bank Eishockeyliga auf seine Dienste während des Sommers schwören, wollten wir etwas genauer wissen wie so eine Vorbereitung aussieht und welche Tipps und Tricks der Fitnessprofi für die heimischen Mannschaften hat.

Wenn man sich Eishockeyspieler bei einem Off-Ice Training vorstellt, denkt man zwangsläufig an die klassische Kraftkammer. Wie kann man sich ein Sommertraining à la Kutzer vorstellen?

Das Sommertraining ist die Vorbereitung auf das Eistraining, es gilt also stärker, schneller und leistungsfähiger zu werden. Das Krafttraining ist hier ein wesentlicher Faktor für den Erfolg, da gerade mehr Muskelkraft zu einer höheren Leistungsfähigkeit führt. Doch der Spieler wird nicht nur stärker, auch das Verletzungsrisiko kann so drastisch gesenkt. Das Krafttraining als solches hat sich in den letzten Jahren jedoch deutlich verändert. Die herkömmliche Kraftkammer mit Gewichten gibt es zwar immer noch – sie ist auch wichtig – wird aber zunehmend durch dynamisches Krafttraining ersetzt. Bei diesem wird der Sportler mit dem ganzen Körper gefordert und nicht nur punktuell belastet. Denn ein simples Krafttraining ist für die heutigen Sportarten zu wenig, da die Spieler nicht nur Kraft brauchen sondern auch beweglicher, koordinativer und spritziger sein müssen. Dadurch ist eine Kombination aus Kraft und Beweglichkeit gefordert.

Dass mehr Kraft zu mehr Leistung führt klingt einleuchtend aber wirkt sich die Beweglichkeit auf einen Spieler und seine Leistungsfähigkeit aus?

Es ist wie bei einem Auto. Mehr Power durch Krafttraining bedeutet du hast mehr PS. Ausdauertraining ist dein Vergaser und steigert deine Grundleistung. Aber wenn du mit deinem PS starken Auto über eine holprige Strecke rast – ohne gute Stoßdämpfer – bricht früher oder später etwas an deiner Karosserie ab. Die Beweglichkeit hilft dem Sportler nicht nur die Kraft besser umzusetzen, sondern beugt durch bessere Flexibilität auch Verletzungen vor.

Rückblickend auf das diesjährige Sommertraining, wie zufrieden bist du mit dem Engagement der HSC Spieler oder musstest du sie hin und wieder doch etwas antreiben?

Wir haben hier wirklich ein knallhartes Training das sollte jedem klar sein. Mit der Leistung der Spieler bin ich sehr zufrieden. Es gibt keinen der nicht motiviert ist oder versucht sich an den Übungen vorbeizuschleichen. Natürlich gibt es hin und wieder Tage an denen man etwas mit der Peitsche schwingen muss aber das ist völlig normal. Spannend wäre noch mehr vom Sommertraining des SC Hohenems zu beeinflussen, um vielleicht noch mehr rausholen zu können.

Die Cracks des HSC sind während des Sommers nicht die einzigen, die sich bei dir auf die neue Saison vorbereiten. EBEL-Spieler wie Spannring Patrick (Black Wings Linz) oder Puschnik Kevin (Vienna Capitals) schwören auf deine Dienste. Gibt es große Unterschiede zu der Vorbereitung der Profis?

Die Art der Übungen ist in manchen Fällen ähnlich bis gleich, doch unterscheidet sich das Gesamtpaket des Trainings der Profis grundlegend von dem des HSC. Profis trainieren täglich, wobei der Trainingstag einem strukturierten Ablauf folgt. Es ist ein Spiel zwischen Be- und Entlastung das die Spieler lernen müssen, wenn sie es bis dahin noch nicht kannten. Ein geregelter und strukturierter Tagesablauf ist essentiell für maximalen Trainingserfolg. Weiters versuche ich gerade jüngere oder angehende Profis dahingehend zu schulen, dass sie sich als Dienstleister in einem Medienbereich (Eishockey) sehen. Gerade für Rookies ist es wichtig schnell zu lernen, dass der Trainer nicht ihr Freund ist. Es ist wichtig ihnen auch die Sicht des Trainers verständlich zu machen: “Stell dir vor du wärest ein Handwerker (Trainer) und hättest verschiedene Werkzeuge (Spieler) zur Verfügung, benutzt du ein stumpfes dreckiges oder ein spitzes poliertes Werkzeug? Und was bist du?”.

Wie kann man sich nun solch einen Tagsablauf vorstellen bzw. wie sieht das Training aus?

Wie gesagt Profis trainieren täglich. Weiters haben ich meistens zwei Monate Zeit intensiv mit ihnen zu arbeiten. Dies bietet mir viel mehr Möglichkeiten zur Trainingsgestaltung. Grundsätzlich beginnt es zuerst mit einem dynamischen Krafttraining über ein paar Wochen. Dies wird abgelöst von einem härteren Krafttraining und schließt meist wieder mit einem dynamischen Training ab. Ein Tagesablauf ist so ausgelegt, dass der Sportler genügend Zeit hat sich vom Training zu erholen. Er steht beispielsweise um 8 Uhr auf und frühstückt, anschließend bereitet er sich auf das Training vor. Nach der Trainingseinheit am Vormittags gehts ab zum Mittagessen gefolgt von einer Ruhephase. Am Nachmittag kommt eine zweite Trainingseinheit. Wichtig ist es den Spielern hier zu vermitteln, dass sie sich nicht nur durch monotones Joggen fit halten können. Wenn es schön ist, sage ich zum Beispiel nehmt das Fahrrad und radelt nach Lindau ein Eis essen. Nach einer strengen Einheit am Vormittag kann man auch etwas auflockerndes machen. Wichtig ist den Körper in Bewegung zu halten, aber die Psyche auch zur Ruhe kommen zu lassen und sich aktiv zu erholen.

Was fällt dir bei der Arbeit mit den Profis auf bzw. was würdest du den Trainern und Spielern empfehlen?

Heute gewinnt nicht mehr der best trainierteste, denn gut trainiert sind sie alle. Heute gewinnt der frischeste auf dem Platz. Viele Trainer haben immer noch nicht verstanden, dass sich nicht nur der Körper sondern auch die Psyche von einem harten Training oder Spiel erholen muss. Speziell im Eishockey geht es um Entscheidungen die in Millisekunden gefällt werden müssen. Diese Entscheidungen fällt der Kopf nicht der Körper. Trainieren mit Hirn ist also das A und O, wer seine Spieler körperlich und vor allem auch psychisch nicht zur Ruhe kommen lässt, muss mit Leistungsabfällen oder Verletzungen rechnen. Gleichzeitig ist jedoch ein Spieler meiner Meinung nach immer selbst für seine Fitness verantwortlich. Man stelle sich vor wie viel Zeit ein Trainer für wichtigeres nutzen könnte, wenn er nicht die Hälfte seines Trainings für den Aufbau von Kondition und Kraft verschwenden müsste.

Wenn ein Spieler sich also selbst Fit hält, müsste noch nicht mit 35 Jahren Schluss sein?

Bei weitem nicht, es gibt eigentlich keine Altersgrenze. Das Entscheidende ist die eigene Professionalität. Man darf die Verantwortung über die eigene Fitness nicht dem Trainer übertragen. Und das trifft für Profisportler als auch auf Amateure zu. Es ist ganz einfach, je professioneller du bist, desto länger spielst du. Bestes Beispiel ist Jaromír Jágr. Mit seinen 42 Jahren spielt er immer noch in der NHL und damit auf absolutem Top Niveau.

Viele heimische Mannschaften und Spieler trainieren während des Sommers regelmäßig selbstständig. Oft hört man leider auch von Verletzungen die sie sich dabei zuziehen. Was wäre dein Tipp für ein optimales und vor allem verletzungsfreies Training?

Um es unverblümt zu sagen, die meisten haben keine Grundkondition. Wenn nun Mannschaften versuchen zwei Monate vor der Saison noch schnell schnell irgendwie ein Sommertraining zu machen, hat das meistens mehr negative als positive Resultate. Hinzu kommt, dass leider viele Vereine nicht über Trainer mit einer Fitnessausbildung verfügen, die trotzdem ein hartes Fitnesstraining zusammenstellen. Dies sind dann aber meistens Trainings, die zwangsläufig in Verletzungen durch Überbelastung enden. Es gibt sehr viele gut ausgebildete Trainer in Vorarlberg, man sollte hier wirklich nicht an der falschen Stelle sparen. Grundsätzlich muss ein Training auf die Möglichkeiten des Teams angepasst werden. Viel wichtiger wäre es mit Spaß und Vielseitigkeit zu trainieren. Und vor allem nicht nur zwei Monate vor der Saison sondern kontinuierlich. Man hört es zwar nicht gerne aber speziell Alkohol, Rauchen und schlechte Ernährung mindern die Regenerationszeit und damit auch die Leistungsfähigkeit massiv. Hier kommt Disziplin und Professionalität der einzelnen Spieler zu tragen.

Was kannst du jenen empfehlen die nun hellhörig geworden sind und selbst oder mit ihrer Mannschaft im nächsten Sommer eine bessere Vorbereitung haben wollen?

Kommt vorbei, das “fit + gesund” Team in Hohenems ist jederzeit bereit dich oder euch fit zu machen!

 

Mehr Informationen zu Fit und Gesund Hohenems:

fit + gesund Kutzer KG
Erlachstraße 10
A – 6845 Hohenems

Tel: +43 (0)5576 / 42183
Fax: +43 (0)5576 / 43120
E-Mail: info@fitundgesund.cc
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